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ein schwall aus ja und aber, durchfluss leerer zwischen-, allzeit bereiter plapperzeiten

rheinreisende 2017

helden in schubladen 2014

histarch 2010

bogen_bogen__tonne 2008

unterblicken II 2003

telefonkrackel seit 1995

telefonkrackel. ich kann nicht zeichnen. jedenfalls nicht besonders gut "nach der natur" und nicht, wenn ich mich darauf konzentriere. ich kann mir zeichnend räume erarbeiten, mich mit handwerker_innen skizzen machend verständigen und mir komplizierte körper oder vorhaben zeichnend erschliessen. und ich krackel. seit ich denken kann. kein schulheft, kein reclam-heftchen, kein notizbuch ohne krackelei. ich krackel während ich telefoniere. neben dem festnetz-apparat – handykrackeln geht und gilt nicht! – liegen zettel und ein paar dutzend stifte: kugelschreiber, filzstifte, bunt- und bleistifte. nicht selten, dass ich noch benötige notierte telefonnummer oder adressen verkrackel.
manchmal setzte ich mich an meinen küchentisch und übermale einzelne der krackeleien mit wasser- und deckfarben, schütte rotwein darauf oder kaffereste oder klebe papierstücke aus anderen krackeleien oder aus rumliegendem papierkram darauf. um die graue stunde zwischen 21:00 und 23:00 uhr nicht zu stunde des grauens werden zu lassen. die fotos von krackeleien hier gehören zu einer serie von 76 zu einem buch zusammengefassten. jedem bild stellte ich darin einen kurzen text zur seite.

masse variabel material papier, diverse stifte, klebstoff, rotwein, kaffee, wasserfarben, deckfarben, kleister, papierschnipsel ausstellungen 2013 galerie eleonore wilhelm, ludwigshafen · mehrfach bei offenen ateliers work in progress

text zum krackel links:
endlich einmal eine wiese, blumenschwangerer augenblick. | wimmeln die ortsfarben, winseln die mordsknaben, | gnadenfremd ohn' firmament: | einfache zwietracht im dreiklang.

text zum krackel rechts:
seele reimt sich nicht auf wolken, | kreislauf nicht auf morgengraun; | steelen, die längst ausgemolken, | weiden schachbrettreif am zaun.
fortschritt dampfte einst aus u's | unsichtbar ins x-te glied; | pfeile zogen dann zu fuss, | seitwärts selbst den himmel mit.
farbenleeren kitschverwaltern | fiel schon lange nichts mehr ein; | kleine wolken, die nie altern, | himmel soll romantisch sein.

text zum krackel links:
zifferblatt der sagenumwogenen böhmischen landschaftsuhr | die blumen des bösen – | potemkinsche dörfer wie das prinzip hoffnung. | was bannt kann auch bahnen. | hätte die uhr vier zeiger, würde die zeit nicht langsamer verglühn. | braucht es für spaziergänge in inneren landschaften regenkleidung & festes schuhwerk? | halten sich träume manchmal in äusseren landschaften auf? warum sonst | kennen sie sich so gut aus? | welche absichten verfolgen absichtslosigkeiten? | müssen kräftige farben mit kraftwaagen ausgewogen sein?

text zum krackel rechts:
schlamm & massel bei der rückkehr, | aus grauer städte mauern; | feldforschung & flurbereinigung sehen anders aus. | an gesichtsfeldrändern wachsen keine blumen! | blütenauftrieb fällender blätter von herbstzeitlosen.

text zum krackel links:
die wolkenwollmaus spricht heut klarer, | zu denkmalscharfer eisenschrift. | wie schnabel wachsen aus den mauern | vielmundiger lippenspitz. | gebrochene blicke vergrünter sonnen, | der westen rot nur kurz im mai. | besetztzeichen heften ungegoren, | ‘nen comik an das allerlei. | ratzfratzen rund verbunden, | die unnahrbar kalten wunden.

text zum krackel rechts:
disperate alltagsscharte, | nicht aussuchbar schön geredet. | erträglichkeit gehobelt zur zweitkultur. |
von dünnen brettern gewachsen böse blumen aus comicstrips. | traurige fliesskraft, | heiliges grau, | gelochter pumpkin | & veräderter blütenstaub.

                                                           
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