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geistige schubladen erleichtern uns vermeintlich eine orientierung. bedenklich, wenn wir uns darin zu hause fühlen.

rheinreisende 2017

helden in schubladen 2014

histarch 2010

bogen_bogen__tonne 2008

unterblicken II 2003

telefonkrackel seit 1995

helden in schubladen. mülheimer gesichter. das bürgerhaus mütze liegt in mülheim-nord, ein kölner viertel, in das seit 250 jahren menschen einwandern. ein sogenannter sozialer brennpunkt. ein deindustrielalisiertes ehemaliges arbeiterquartier. mütze-besuchenede kommen zu kulturveranstaltungen oder ins cafe, suchen rat und hilfe in den sozialberatungen. es gibt ein regelmässiges obdachlosenfrühstück, einen umsonstladen und eine wöchentliche lebensmittelausgabe. im bürgerhaus und dem angegliederten möbellager betätigen sich ehrenamtliche, sozialstundenleistende und sog. integrationsjobber. viele der passiv nutzenden oder aktiv helfenden haben interessante, oft verschlungene lebenswege. viele sind hierher eingewandert. mit zwölf menschen führte ich gemeinsam mit peter oberem (mütze-kultur) interviews. sie suchten sich orte aus, an denen sie danach fotografiert werden wollten. zwölf aktive und engagierte menschen, die die vielfalt unserer gesellschaft wiederspiegeln, alle beispiele dafür, dass man menschen ihre kraft nicht ansieht, dass sich hinter jedem äußeren etwas anderes verbergen kann. kein mensch paßt in die schublade, in die wir sie oder ihn gerne stecken! menschen sind oft helden, auch wenn man es ihnen nicht ansieht. auszüge aus den interviews wurden in die portraitfotos einmontiert.

masse variabel (mindestfläche 60 qm) material digitale ausdrucke (din a0), holzklötzchen, gebrauchte stühle ausstellungen 2014 während des birlikte festes in der keupstrasse in köln-mülheim · 2014 im bürgerhaus mütze (köln-mülheim)


t. glück gehabt? t. wird 1977 in köln geboren. die mutter ist berufstätig, das verhältnis zu seinem stiefvater gespannt. der grundschullehrer empfiehlt aufgrund einer "kindlichen dummheit" einen wechsel zur förderschule. mit sieben jahren kommt er zu pflegeeltern aufs land und sieht seine familie nur an wochenenden und in den ferien. t. hat glück mit seinem neuen lehrer: „er hat das gute aus mir rausgeholt.“ auf der realschule kommt er nicht klar und wechselt auf eine waldorfschule: „mein großes glück“, schafft den abschluss und hilft der mutter in ihrem motorradladen. t. hat „sein ding“ gefunden, beginnt eine ausbildung zum einzelhandelskaufmann bei einem kollegen der mutter, aber der geht in konkurs. t. muss auf bürokaufmann umschwenken. trotz vieler ängste schafft er die prüfung. es folgt ein job als auslieferungsfahrer. in der zeit lernt er drogen kennen. der absturz beginnt, obwohl er seinem traum näher kommt: arbeit in einer motorradwerkstatt und für deren team rennen fahren. drei jahre fährt er mit um die deutsche meisterschaft. 260 km/h. adrenalin pur, "abfliegen“. der chef will ihn formen: "zuckerbrot und peitsche". damit kommt er nicht klar. krebs erwischt ihn: zwei jahre behandlung: chemo, bestrahlung – t. fährt weiter rennen. er hält den druck nicht aus und kündigt. drogen. die lebensgefährtin setzt t. ein ultimatum. er ist nicht mehr er selber und geht freiwillig in den entzug (ein betreutes wohnprojekt), wird medikamentös eingestellt, intensiv betreut und findet einen integrationsjob. rückfall. er entzieht selber, arbeitet als kommissionär, macht den staplerschein. rückfall. jobverlust. t. geht mit fahrrad und rucksack nach köln. das rad wird gestohlen. er lebt auf der strasse. schwarz mit der bahn durch deutschland. oft erwischt. die schulden türmen sich. t. verschließt sich, nimmt keine hilfe mehr an. nächste station: ein wohnheim des skm in porz, ein zeitarbeitsjob (den schafft er körperlich nicht mehr). eine weitere betreute wohngemeinschaft ist zunächst keine lösung. er verweigert die nahrung, trinkt nicht mehr. auf der strasse trifft er eine ehemalige mitarbeiterin der mütze: das haus nimmt ihn an. t. hilft ehrenamtlich im sozialbereich. fester tagesrhythmus, soziale kontakte. sein größter wunsch: gesundheit für seine familie, seine mutter, die oma. ein dach über dem kopf, geld für lebensmittel. es soll weitergehen. seit drei jahren lebt er ohne drogen.

t. an seinem ehemaligen schlafplatz in einer unterführung unter dem kölner hauptbahnhof
                                                           
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