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texte · text / raechen/wasserrad

 

 
der grosse rahmen
in anlehnung an goethe greift das rheinische industriemuseum mutig nach dem ganzen: "was die welt zusammenhält..." ist der titel einer noch bis zum 4.11.2001 präsentier-ten sonderausstellung, die im rhamen der lokalen agenda 21 konzipiert wurde. die prä-sentation bietet einen blick auf die entwicklung auf die versorgungsnetze im aggertal, deren leistungen uns längst selbstverständlich – womöglich zu selbstverständlich – ge-worden sind...
ausgreifend und perspektivenreich ist nicht minder das rahmenprogramm mit exkur-sionen, wokshops, vorträgen und diskussionen. nicht zuletzt ist auch die kunst mit von der partie. schliesslich bedarf gerade agenda-arbeit der ästhetischen dimension.

szenographie um ein kraftwerk
unter dem stichwort "interventionen" greift kunst in mehreren beiträgen mit ihren speziellen talenten ein, um die wahrnehmung zu schärfen und sensibilitäten zu wecken. nicht von ungefähr suchen in jüngster zeit viele historische museen die verbindung zu den musen. angesichts so rasant wie unübersichtlich voranschreitender spezialisierung in allen sachgebieten und lebensbereichen wird der kunst zugetraut, noch zu dialogen um wahrnehmbare zusammenhänge anzustiften. die jüngste karriere des begriffs "szenographie" belegt diese auffassung.
eine bsondere szenographie ist mit sechs kunstwerken um das ehemalige wasserkraft-werk von ermen & engels entstanden. wir haben es gewissermassen mit "kraftwerken" und "energieumwandlern" eigener art zu tun: bindekräfte werden entfaltet, indem die von der kunst besetzten räume eine geistesgegenwart provozieren, die auf ihre weise nachhaltigkeit im schilde führt: entlang der noch vorhandenen bauten und spuren wollen die ausgestellten objekte erinnern und verbinden, anstösse geben und vielleicht auch anstoss erregen...

zu sechs objekten und stationen
da haben sich drei bildende künstler für ein projekt verbunden, weil sie die kommu-nikation mit und über kunst ernst nehmen: kunst gehört mitten ins leben, lautet ihr wahlspruch. inspirierender ausgangspunkt war der einstmals von wasser-massen durch-flossene turbinenkeller des museums, seine geschichte, seine bedeutung für die ehe-malige baumwollspinnerei, die dem vater des berühmten sozialisten friedrich engels gehörte, und zu den vielen menschen, die hier über generationen gearbeitet haben. das alles ist seit vielen jahren thema des museums. um so spannender ein frischer blick, der die perspektive der kunst in anschlag bringt und zugleich das museum mit seiner umgebung vernetzt.
zwar hat die kunst ihre eigene sprache, doch mögen folgende stichworte helfen, sich näher auf sie einzulassen. (...)
der rächen (joachim römer) unmittelbar vor dem einlaufbecken sammelt verstreute erinnerungen ein und bringt mit weitem blickwinkel und grosser tiefenschärfe die menschen ins gespräch: eine ins bild gerückte versammlung von baumwollpflücker-Innen, hafen- und transportarbeitern, sowie frauen und männern der engelskirchener textilfabrik. (...)
das wasserrad (joachim römer) am ehemaligen wasserauslauf schliesslich greift aus mit allerlei händen: schöpft aus der vergangenheit, weist in die zukunft, dreht zurück, geht voran – aber wohin?
mit ansteckendem spürsinn fragen die drei künstler mit sechs arbeiten, die die lokalität verwandeln und zugleich sich selbst von ihr verwandeln lassen, diesseits wie jenseits des museums, was die welt zusammen hält.
dr. thomas schleper,
leiter des rheinischen industriemuseums engelskirchen, september 2001
kölner stadtanzeiger, 20. & 21.9.2001
mancher unschlüssig vorm projekt
ausstellung im industriemuseum: der mensch als normierter besenstiel
eigentlich hatte der landschaftsverband alle veranstaltungen wegen des terrorangriffs auf die usa abgesagt. dann schmuggelte sich doch die eröffnung der ausstellung "durch-flossen" im industriemuseum inoffiziell durch.
von gisela schwarz
engelskirchen - museumsdirektor thomas schleper stand abseits, als ulla gelbert-knorr zur ausstellung im museum die gäste begrüsste. grosses hatten sich die drei künstler hermann j. bach und jürgen müller aus engelskirchen und der kölner joachim römer vorgenommen. als künstlerische auseinandersetzung mit der sonderasustellung "was die welt zusammenhält..." im rahmen der agenda 21 hatten sie ein konzept zur intensi-veren wahrnehmung einer "szenographie um ein kraftwerk" entwickelt.
"entlang der noch vorhandenen bauten und spuren wollen die ausgestellten objekte erinnern und verbinden, anstösse geben und vielleicht auch anstoss erregen...", hatte der künstler joachim römer formuliert. (...)
weiter ging der weg vor die fabrik zum seerosen bewachsenen einlaufbecken vor dem turbinenkeller. römer hatte die struktur des rechens aufgenommen, parallel fäden über das wasser gezogen, die den strom vermitteln. halbtransparente fahnen mit den ab-bildungen der arbeiterschaft aus dem 19. jahrhundert hatte er dazwischen aufgestellt – menschen aus der engelskirchener spinnerei, baumwollpflückerInnen, hafen- und transportarbeiter. zeugen der vergangenheit und doch nicht museal. (...)
hier (im turbinenkeller) zeigten am eröffnungsvormittag fünf junge kölner künstler unter der regie von erika römer eine nach den ereignissen in den usa überarbeitete performance. in liedern, zitaten und spielszenen, untermalt von cello, violine und akkordeon spannten sie in den engen wasserschächten auf geradezu beklemmende weise den bogen von der arbeitswelt und ihren zwängen im frühen 19. jahrhundert bis in unsere gegenwart. (...)
   
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